Präzision und Zuverlässigkeit bei der Dichtung beginnen mit der Standardisierung. Der AS568-Luft- und Raumfahrtstandard, entwickelt vom Society of Automotive Engineers (SAE), ist die universelle Sprache für O-Ring-Größen. Er definiert über 375 genormte „Strichnummern“ (z. B. -001 bis -475) basierend auf Innendurchmesser und Querschnittsdurchmesser mit präzisen Toleranzen. Dadurch können Ingenieure, Einkaufsspezialisten und Wartungstechniker weltweit austauschbare Dichtungen eindeutig spezifizieren und beschaffen, was Unsicherheiten eliminiert und eine korrekte Passung in der Dichtungsnut gewährleistet. Bei der Auswahl von Dichtungen für Hochtemperaturanwendungen stellt die AS568-Größe den Ausgangspunkt dar; der nächste, ebenso entscheidende Schritt ist die Werkstoffauswahl.
Silikonkautschuk (VMQ) ist ein Allround-Material für Anwendungen mit erhöhten Temperaturen, bei denen eine extrem hohe chemische Beständigkeit nicht im Vordergrund steht. Sein Siloxan-Grundgerüst verleiht ihm eine hervorragende thermische Stabilität mit einem kontinuierlichen Einsatzbereich von −60 °°C bis +225 °C) °°C. Er behält über diesen gesamten Bereich hervorragende Flexibilität und eine geringe Kompressionsverformung. VMQ weist zudem eine gute Beständigkeit gegenüber Ozon, Sonnenlicht und Witterungseinflüssen auf. Diese Eigenschaften machen ihn ideal für:
· Luft- und Raumfahrt: Dichtung von Kabinenluftkanälen, Avionik-Kühlsystemen und bestimmten Kraftstoffsystementlüftungen, bei denen hohe Temperaturen benachbarter Systeme eine Rolle spielen.
· Haushaltsgeräte und Elektrotechnik: Dichtungen für Backöfen, Spülmaschinen sowie Isolierung für Hochtemperatur-Leitungen.
· Industrie: Statische Dichtungen in Geräten zur Handhabung heißer Luft und Gase.
Häufig genannte AS568-Dash-Größen wie AS010 und AS024 werden in Spezifikationen für Turbinenhilfssysteme und elektrische Gehäuse häufig gefordert.

Für die extremsten thermischen und chemischen Umgebungen stellen Perfluoroelastomere (FFKM) – mit Kalrez® und Chemraz® als führenden Marken – die Spitze der Dichtungstechnologie dar. FFKM-Komponenten besitzen eine vollständig fluorhaltige Polymerstruktur, ähnlich wie PTFE (Teflon®), jedoch mit der zusätzlichen Eigenschaft der Elastizität. Dies verleiht ihnen:
· Dauerbetriebstemperaturen über 300 °°C (einige Sorten bis zu 327 °C).
· Nahezu universelle chemische Beständigkeit: Sie sind mit praktisch allen Flüssigkeiten kompatibel, mit Ausnahme bestimmter fluorierter Lösungsmittel bei hohen Temperaturen.
· Ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber Plasma und trockener Hitze.
Ihr Einsatz ist gerechtfertigt, wenn ein Versagen keine Option ist und die Kosten hinter der Leistung zurückstehen:
· Dampf- und Gasturbinen: Dichtungen für Steuerklappenstangen, Turbinengehäusespalten und Messleitungen, die überhitztem Dampf ausgesetzt sind.
· Halbleiterfertigung: Dichtungen in Plasmaätz- und chemischen Gasphasen-Abscheidungskammern.
· Chemische Verfahrenstechnik: Dichtungen für den Einsatz mit aggressiven Säuren und Lösungsmitteln.
Die wirtschaftliche Kalkulation ist entscheidend. Ein Kraftwerk in Indien könnte kostengünstige VMQ-Dichtungen für allgemeine Warmwasserleitungen in einer Dampfturbinenhalle verwenden, spezifiziert jedoch FFKM für die kritischen Dichtungen der Hauptdampfabsperrohre, da ein Leck hier zu einem erzwungenen Ausfall führen könnte, der mehrere hunderttausend Dollar pro Tag kostet. In den USA legen Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsvorschriften streng fest, wo FFKM eingesetzt werden muss und wo hochwertiges FKM oder VMQ akzeptabel ist – basierend auf umfangreichen Prüfungen gemäß Standards wie AMS (Aerospace Material Specifications). Der Auswahlprozess verlagert sich daher von der Größe (AS568) über die Umgebungsbedingungen (Temperatur/Chemikalien) hin zu einer Kosten-Nutzen-Analyse der Materialeigenschaften im Verhältnis zur Systemkritikalität.
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